Stephanie Gercke: "Jenseits von Timbuktu"

Reisen wir nach Afrika - dem schwarzen Kontinent
Reisen wir nach Afrika - dem schwarzen Kontinent

10. April 2012

 

Stephanie Gercke: "Jenseits von Timbuktu"

 

Der neue Afrika-Roman von Stephanie Gercke erschien im Oktober 2011 im Heyne Verlag. Mit seinen über 700 Seiten ist es ein umfangreiches Werk. Doch ist dieser neue Roman trotz seines Umfanges sehr schnell gelesen. Hat man einmal angefangen, das Buch zu lesen, fällt es einem schwer, es wieder zur Seite zu legen. 

 

Über die Autorin Stephanie Gercke

Die Autorin wurde 1941 in Guinea-Bissau geboren. Die Zeit ihrer Jugend verbrachte sie in Hamburg. Im Alter von 20 Jahren ging sie zurück nach Afrika. Hier lebte sie bis 1978 in Südafrika. Die komplizierte politische Situation zwang sie jedoch nach Deutschland zurückzukehren. Die Änderung der politischen Lage durch die Machtübernahme Nelson Mandelas erlaubte die Rückkehr in das von ihr so geliebte Land.

Heute lebt die Autorin in Hamburg und auf dem schwarzen Kontinent, der sie nie losgelassen hat.

 

Inhaltsangabe

Der neue Roman Stephanie Gerckes spielt in Hamburg und Südafrika, dem Mittelpunkt des Lebens der Autorin.

Nachdem Anita die Menschen verloren hat, die sie am meisten liebte, ist sie auf der Suche nach einem Neubeginn in ihrem Leben. Die Aufarbeitung der Vergangenheit ihrer Eltern, die in Afrika verwurzelt ist, scheint ein spannender Ausgangspunkt für den Neuanfang zu sein. Dabei stößt sie auf ein scheinbares Geheimnis ihrer Eltern. Anscheinend hat sie in Afrika noch nahe Angehörige, von denen sie bis jetzt noch nichts wusste. So nutzt sie die Gelegenheit, die sich ihr bietet, und versucht das Geheimnis zu lüften. Dabei stößt sie auf unliebsame Zeitgenossen. Doch liegt hier auf dem schwarzen Kontinent auch der Neubeginn einer Liebe für Anita? 

 

Aufbau und sprachliche Gestaltung

Der Verlust ihres Verlobten und der Selbstmord der Mutter von Anita bilden den Einstieg in den neuen Afrika-Roman von Stephanie Gercke. 

Die Überleitung, wie es zur Reise nach Afrika kommt, gelingt der Autorin so, dass der Leser schon an dieser Stelle gefesselt wird, zu erfahren, worin das Geheimnis der Eltern Anitas besteht. 

Angekommen in Afrika wird der Leser mit atemberaubenden Naturschilderungen auf den Kontinent entführt. Dabei ist es von großem Vorteil, dass die Autorin selbst in Afrika gelebt hat. Nur so gelingt es ihr, die Beschreibungen detailgetreu und authentisch zu gestalten. 

Die Fähigkeit, den Leser zu faszinieren und an den Roman zu binden, besteht auch darin, dass die Autorin eine sehr bildhafte und lebendige Sprache nutzt. Kurze und einfache Sätze ermöglichen eine zügige Lesart. Die Übersicht und das Erfassen des Inhaltes werden gewährleistet. Auch wenn man den Roman nicht mehr weglegen möchte, so sind eine Unterbrechung und der Wiedereinstieg jederzeit möglich.

Die treffende Wortwahl und die Wortvielfalt machen den Roman trotz seines Umfanges zu einem Lieblingsbuch. 

Spannungsaufbau und Lösung der Geheimnisse sind meisterhaft verbunden und wechseln sich in angenehmer Weise ab. Dabei werden die Naturbeschreibungen gekonnt ins Gesamtbild eingebunden. So wird der Roman nicht langweilig, sondern regt zum Weiterlesen an. 

 

Themenwahl

Zu Beginn des Romans steht die Frage nach dem Umgang mit Schuld und Verlust eines geliebten Menschen im Mittelpunkt. Scheitern an der vermeintlichen Schuld oder Finden eines neuen Lebensmittelpunktes. Diese Fragen werden auf ganz unterschiedliche Art und Weise beantwortet. So scheitert die Mutter von Anita an ihrer vermeintlichen Schuld. Anita selbst sucht und findet einen neuen Lebensmittelpunkt, nachdem sie einen großen Verlust erlitten hat. Ihre Trauer und das Gefühl ihren Verlobten zu vermissen, geraten dabei nicht in Vergessenheit. Dennoch führt sie die Kraft, die sie aufbringt, einen neuen Lebensinhalt zu finden zu einer neuen Liebe.

Die Hauptfrage, die in diesem Roman steht, ist jedoch die Frage nach sogenannten Familiengeheimnissen. 
Da steht eine scheinbar perfekte Familie, die aber auch Schuld auf sich geladen hat und ein großes Geheimnis birgt, im Mittelpunkt. Ist diese Familie zu verurteilen? Soll Anita ihre Liebe zu ihren Eltern überdenken, auch oder gerade nach dem Tod der Eltern? Haben ihre Eltern ihr eine perfekte Familie nur vorgespielt um die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren? Mit all diesen Fragen und der noch bestehenden Trauer wird Anita konfrontiert und teilweise auch überfordert, denn was sie erfährt, lässt sie oft zweifeln und in Gewissenskonflikte geraten.

Doch die Darstellung der Geschehnisse lassen den Leser selbst sich eine Meinung bilden. Die Autorin gibt keine Wertung vor. Sie überlässt es dem Leser, sich selbst einen Standpunkt zu bilden. Und genau diese offene Schreibweise ist es auch, die den neuen Afrika-Roman so spannend und schillernd zugleich zu machen. Schillernd wegen seiner so natrugetreuen Schilderung der Natur und spannend wegen seiner Darstellung der Ereignisse, mit denen Anita konfrontiert wird. 

 

Wertung des neuen Romans von Stephanie Gercke

Der neue Roman verbindet eine Vielzahl von Elementen im Inhalt. So steht die Protagonistin Anita im Mittelpunkt mit der Frage der Neuorientierung in einem scheinbar gescheiteren Leben. 

Gelungen eingebaut sind Fragen der politischen Lage in Südafrika. Auch der Hintergrund der bevorstehenden Fußball-WM und der Frage, ob dieses Apartheidsland dafür geeignet ist, werden aufgeworfen. Was den Roman da so lesenswert macht, ist die objektive Darstellung der Fakten und die Möglichkeit, die dem Leser eingeräumt wird, sich selbst zu positionieren.

Alles in allem kann man durchaus sagen, dass es der Autorin auch mit diesem Werk gelungen ist, einen lesenswerten Roman zu schreiben.

 

 

Kerstin Schulz

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Kerstin Schulz